Poetry Slam mit Frauen von morgen

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Der Literatursommer Baden-Württemberg stand vor der Türe und ich hatte die Ehre für ihn einen Poetry Slam zu organisieren.

Ein eigenes Projekt auf die Beine zu stellen ist eine schöne Herausforderung. Es erfordert ein hohes Maß an Eigenständigkeit, sowie Organisations- und Planungsfähigkeit. Zugleich bedarf es ein hohes Maß an Durchhaltevermögen. Doch das schreckte mich keineswegs zurück. Ich war motiviert, mag es sowieso eigenständig zu arbeiten und plane auch im privaten Bereich gerne Veranstaltungen. Dieser Poetry Slam war nicht nur die Chance, mich selbst kreativ zu entfalten, sondern auch den gesellschaftlichen Zweck der Aufklärung oder eines Perspektivenwechsels zu bieten. Poetry Slams vermittelten nämlich Wissen auf eine unterhaltsame Art und Weise. Dabei sind spezifisch Themen, die junge Frauen beschäftigen, wie z.B. Klimawandel, Rassismus, Feminismus, gesellschaftliche Krankheiten (Depressionen, Süchte etc.) oder unter Umständen auch Religion gemeint. Die Teilnehmer*innen hatten natürlich die selbstständige und freie Wahl der Themen, die sie teilten. Das Einzige was nicht geduldet wurde und wie es für Poetry Slams üblich ist, waren rassistische oder diskriminierende Themen.

Hier kommst du zum Online-Artikel, um mehr von diesem magischen Abend zu erfahren.

Ein paar theoretische Hintergrundgedanken

Mit diesem Poetry Slam wollte ich den Teilnehmer*innen die Möglichkeit aufzeigen, dass jede*r etwas zu sagen hat. Zurückhaltende Menschen trauen sich in dieser Hinsicht oft nicht das Wort zu ergreifen, weil sie sich nicht in der Rolle des*der Redenden sehen. Dieser Poetry Slam sollte eine Bühne für Personen darstellen, die nicht in der Poetry Slam Szene aktiv sind.

Hierbei möchte ich auf die Verständigungsorientierung nach Foss und Griffin hinweisen, auf welche ich mich in diesem Format besinne. Ganz nach dem Motto: „Jede ist eine Ehrenfrau, die Reden kann.“

In der feministischen Rhetorik und die dazugehörige Verständigungsorientierung nach Foss und Griffin geht es um Freiheit, Werte und darum, einen Raum zu schaffen, in dem du dich sicher fühlst während dem Reden. Diese Komponenten sollen eine einladende Rhetorik auszeichnen. Damit schaffen Foss und Griffin einen Umbruch des traditionellen Rhetorikverständnisses, weil die bloße Überzeugen nicht im Mittelpunkt steht.

Die sogenannte einladende Rhetorik beinhaltet drei verschiedene Bedingungen. Erstens: die Freiheit. Dies bedeutet, dass jede*r zum*r Redner*in werden kann und seine*ihre Meinung äußern darf und soll, auch du! Sie unterstellen somit jedem Menschen, dass er frei und dadurch selbstbestimmt in seiner Meinungsäußerung ist. Gleichzeitig geht es darum, andere Meinungen zu akzeptieren und zu verstehen. In diesem Kontext kommt die zweite Bedingung zum Tragen: der Wert des Individuums. Es geht nicht nur darum anderen zu zuhören, sondern auch aktiv zu versuchen ihre Perspektive oder Denkweise einzunehmen und zu verstehen. Denn jede*r ist es wert, verstanden zu werden. Nur durch dieses Verständnis kann eine Atmosphäre geschaffen werden, in der sich jede*r angenommen und wohlfühlt. Dies kann einleitend für die dritte Komponente gesehen werden: die Sicherheit im Diskursumfeld. Sie bietet Platz dafür, dass jede*r uneingeschränkt seine Meinungen äußern kann und neue bzw. andere Sichtweisen auch toleriert werden können. Daraus ergibt sich die soziale Verantwortung der Rhetorik: der respektvoller Umgang miteinander und die Gleichberechtigung im Gespräch. Gerade Frauen oder unterdrückte Gruppen erhalten damit die Grundlage, das Wort zu ergreifen, ihre Meinung zu äußeren und gehört zu werden.

Ein Schema moralischer Integrität des*r Redner*in und des*r Zuhörer*in wird eingefordert. Begrifflichkeiten wie Offenheit und Verständnis sind zentral. Dafür nennen Foss und Griffin zwei Handlungsoptionen für den*die Redner*in: Die Haltung mitteilen und eine verbesserte Kommunikationsatmosphäre schaffen, um einen freien und gleichwertigen Austausch zu ermöglichen.

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