Das wohl bekannteste Getränk in Brasilien ist? Caipirinha.
Auch ich bin in den Genuss des brasilianischen Caipirinhas gekommen. OMG, das ist einfach eine andere Erfahrung. Wie die Mischverhältnisse sind? Keine Ahnung, ich würde auf jeden Fall sagen: Stark! In Deutschland ist mehr Crushed-Ice als alles andere drin. In Brasilien wird nicht gegeizt. Die gönnen sich und dir. Ich habe das Gefühl, da kommen nur ein paar Eiswürfel rein und das restliche Glas wird mit Cachaça aufgefüllt. Cachaça ist der brasilianische Zuckerrohrschnaps, oder auch das sogenannte Feuerwasser. Und holla die Waldfee, der brennt dir echt den Rachen aus. Den ersten Schluck könnte man auch eine Feuertaufe nennen.
Der Clou an der Gschicht? Nach dem dritten Caipi, wandelt sich das brennende Gefühl in einen süßen Geschmack auf der Zunge um. Du schmeckst plötzlich die leichte Limette und den lieblichen Zucker, die dich im Land willkommen heißen. Die dir sagen: „Wenn du nur genau hinschaust, dann schmeckt das Leben süß. Dann ist das Leben schön, auch wenn es hart ist. Es ist nicht nur alles schwarz und weiß. Es ist alles, was du dir vorstellen kannst. Es ist alle bunten Farben dazwischen. Es ist der Sonnenschein nach dem Regenschauer. Und es ist vor allem beides, weil das Leben beides braucht, um sich überhaupt als Leben zu definieren.“
Ja! Mein Caipi hat angefangen mit mir zu sprechen. So isch das. Nach dem dritten Caipi darf alles möglich sein.
Noch was anderes zum Zuckerrohr. Der ist eh voll das Ding in Brasilien. Es gibt etliche, riesige Zuckerrohrfarmen und Brasilien ist der größte Lieferant für Produkte aus Zuckerrohr. Aus dem Zuckerrohr wird nicht nur der Schnaps, sondern obviously Zucker und sogar Bio-Ethanol oder Wärmeenergie gewonnen. Hierbei würde man am liebsten die Augen verschließen vor den schlechten Arbeitsbedingungen für die Landwirt:innen und die Rodungen nur für Zuckerrohrfelder, welche sich negativ auf das Ökosystem auswirken. Doch auch das beinhaltet der bitter-süße Geschmack des Caipirinhas.
Übrigens trinken die Leute hier aus dem Zuckerrohr auch nur den Saft selbst. Das Ganze nennt sich dann „Caldo de Cana“. Die Zubereitung an den Straßenmärkten dazu finde ich ein Spektakel. Die hauen da einfach die ganzen Stangen Rohrzucker in eine Saftpresse und dann kommt unten der Saft raus. Im Grunde genommen wie mit frisch gepresstem Orangensaft, wie wir ihn in Deutschland kennen. Und dann doch anders: Weil es ist halt einfach Zuckerrohr!!?! Ich fand das spannend. Gönn dir das auf jeden Fall, wenn du hier bist. Meine Empfehlung ist, den Saft mit ’nem Spritzer Limette veredeln zu lassen, weil es ansonsten schon krass süß ist.
Doch zurück zum Caipi: Wusstest du, dass er früher als Medizin verwendet wurde? Gegen die spanische Grippe. Damals wurde er mit Honig und Knoblauch verfeinert, statt mit Rohrzucker. Das ganze Getränk wurde anscheinend warm getrunken. Ehrlich gesagt, kommt mir beim Gedanken daran eher ein Würgereiz auf. Ich kann mir gleichzeitig gut vorstellen, dass das geholfen haben muss. Ganz nach dem Spruch: „Muss ned schmecke, muss wirke.“ Seinen guten Ruf hat Caipirinha jedenfalls damals wie heute aufrecht erhalten.
Und was für eine Künstlerin wäre ich, wenn ich mich nicht für die künstlerische Seite des Caipirinhas interessieren würde? Ich bin auf die Künstlerin Tarsila do Armaral aufmerksam geworden. Sie hat das Gemälde „Caipirinha“ gemalt und hat mit diesem Gemälde, das für einen Wert von 57,7 Millionen Reais versteigert wurde, den Rekord für die brasilianische Kunstszene gestellt. Für alle, die sich fragen: Das sind ungefähr 8,7 Millionen Euro. Ob Reais oder Euro, es ist so oder so einfach nur sauviel Geld.
Mit und ohne ein paar Caipis intus, lass dir gesagt sein: Das Leben ist bitter. Es ist süß. Es ist teuer, und der Caipi an der Bar in Brasilien dafür echt günstig. Und mit diesen ganzen Gedanken lass ich dich wieder frei und losgelöst von meinen Worten. Bis ganz bald und tschüss.

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