die brotlose kunst

By

2025 war die Welt mein Zuhause. Ich bin von Land zu Land gereist und durfte unterschiedliche Menschen, Kulturen und Lebensweisen kennenlernen. Ich war in Brasilien, Peru, Kolumbien, Chile, dann nach Neuseeland, Australien, Singapur, Malaysia, Vietnam, einen Abstecher in China und Japan, um über Indien, Saudi-Arabien, Jordanien und Italien wieder zurück nach Deutschland zu kommen.

Eines konnte ich auf meiner Reise ganz gewiss lernen. Was für ein Privileg ich habe, in meinem Körper, in meinem Geburtsland, in meiner Haut zu stecken. Ich bin demütig und möchte dankbar sein, doch mir scheint, als wäre das nicht genug! Es ist nicht genug zu sagen, dass ich weiß, wie gut es mir doch geht, um es im nächsten Moment schon wieder zu vergessen und mich mit anderen Themen zu beschäftigen.

Jetzt bin ich wieder in meiner Heimat. Es ist wie ein langer Traum, von dem ich nun aufwache. Ich werde geweckt. Das „reale“ Leben geht weiter und die Frage verfolgt mich, was ich mit meinem Leben anfange.

Meine Reise hat mir auf jeden Fall gezeigt: Ich bin reich! Mit allem, was ich tagtäglich machen kann. Ich schlafe, dusche, esse. Ich fahre ein Auto, gehe einkaufen in einem überfüllten Supermarkt, ärgere mich über steigende Preise und gehe auf Reisen. Auf Reisen hatte ich mehr als andere, die am jeglichen Straßenrändern saßen, und nach Geld oder Essen fragten.

Ich kam gerade frisch geduscht aus meiner Unterkunft, um mir im nächsten Restaurant mein Abendessen schmecken zu lassen. Als mir in Jaipur in Indien Kinder, die ungeduscht, barfuß, verwahrlost waren, ihre Hände entgegenstreckten. Ich lief an ihnen vorbei, schaute zur Seite und ignorierte sie. Ich sah weg, und hätte gerne wirklich weggesehen, doch ich konnte nicht. Ich beobachtete im Hinterkopf ihr Leid und sagte einem der Kinder, sie sollen auf mich warten. Ich würde mit Essen wiederkommen. Als ich jedoch wiederkam und an derselben Stelle nach ihnen suchte, waren sie nicht mehr da. Sie waren verschwunden. Ich lief die Straße entlang in der Hoffnung sie wiederzufinden. Keine Spur. Bis dieses eine Kind plötzlich lachend um die Kreuzung rannte bis es freudestrahlend wieder vor mir stand. Ich war froh, dass das Kind mich gefunden hatte. Seine Freude brachte mir Frieden für diesen Moment.

Ich kaufte ihnen etwas zu essen, während ich gleichzeitig wusste, dass ich das nicht jeden Tag tun konnte. Als ich ihnen diese Mahlzeit in ihre leeren Hände gab, wurde es mir klar. Ich konnte ihnen oder allen anderen Personen dieser Welt nicht immer aus meiner eigenen Tasche helfen. Es waren politische Systeme und Verstrickungen, die ich hier und jetzt nicht verändern könnte. Nicht sofort, sodass sie es spüren könnten. Und das obwohl ich doch „reich“ war. Zumindest reicher als diese Menschen hier auf der Straße.

Es bildete sich ein Knoten in meinem Kopf, der mich mehr und mehr in die Tiefe zog. Ein Loch in das ich hineinsprang, um mich letztendlich selbst wieder daraus zu retten und ein Gedankenblitz, der bleibt: Ich muss etwas Sinnvolles tun! Meine Arbeit soll Leben verändern und guten Zwecken dienen. Ich möchte mich mit meiner Kunst für andere einsetzen. Ich möchte Leben retten und für andere da sein. Ich will nicht vergessen, nur weil ich wieder einen Ozean zwischen ihnen und mir habe. Ich will sie nicht vergessen. Das Privileg, das ich habe, muss für etwas gut sein. Ich kann nicht nur in meinem Körper leben und es genießen. Ich möchte der Welt von Herzen etwas zurückgeben. Doch dafür, muss ich zuerst etwas aufbauen.

Posted In ,

Hinterlasse einen Kommentar