Ich packe in meinen Rucksacke eine Weltreise. Tatsächlich wirklich wahr. Es ist verrückt.
Ich komme an und freue mich über graue Wolken am Himmel. Eine regnerische, nebulöse Stimmung heißt mich ganz vertraut willkommen. Für einen Moment erfüllt mich dieses deprimierende Altbekannte mit Freude und ich erwische mich dabei wie ich lächle. Endlich wieder zuhause. Ich blicke in die Fensterscheibe im Bus. Regentropfen machen ein Wettrennen an ihr und ich sehe, wie ich mich selbst darin spiegle. So viele Monate. So viele Länder. So viele verschiedene Menschen und Kulturen. So viele Geschichten und Erfahrungen. All das zieht vorbei. All das ist vorüber. All das ist nun Teil von mir. Es fühlt sich so an, als wäre das alles nie passiert. Als wäre ich nie weg gewesen. Als wäre es nur eine Sehnsucht, der ich in meinem Kopf nachgebe und, welche ich wie ein Hirngespinst herumgeistern lasse. Als wäre es nur dieser eine komische Wunsch von vor zehn Jahren, nach dem ich jung-naiv ein Verlangen verspürte. Als käme ich von einem Tagesausflug nach Hause zurück und hätte das alles nie erlebt.
Nur die Fotos in meinem Feed zeigen, dass es doch tatsächlich wirklich war. Sie verraten mir, dass ich tatsächlich wirklich weg war. Irgendwo im Nirgendwo. Irgendwo auf der ganzen Welt. Sie ergänzen die „Bilder in meinem Kopf“, würde Sido sagen. Sie geben irgendwelche Geschichten wieder, die irgendwann mal passiert sind. Sie veranschaulichen Geschichten, die irgendwelche Kinder später nicht mehr hören wollen, da ich diese schon tausend Mal erzählt habe und sie meine Erinnerungen insgeheim schon auswendig kennen. Und dennoch hören sie mir geduldig zu, weil sie sie auf irgendeine Art und Weise lieben.
Ich schmunzle. Ja, wenn ich dann alt bin, werde ich wieder ein Kind, so wie sie. Mein Aufhänger wird jedes Mal sein: „Lass uns ‚Ich packe in meinen Koffer‘ spielen. Aber mit einem Rucksack! Und ich fange an: Ich packe in meinen Rucksack eine Weltreise!“, und dann beginne ich einfach diiiirekt, ohne Punkt und Komma, davon zu berichten, wie es damals war.
Vielleicht aber auch nicht. Denn ich kann es selbst noch nicht so ganz glauben, was da eigentlich passiert ist. Was da tatsächlich wirklich war.

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