Ein Guten-Morgen-Tee. Eine neue Routine neben dem Frühstück, Journaln und einer kurzen Meditation, um in den Tag zu starten. Seit meiner Rückkehr fühlt sich alles etwas schwermütiger an. Ich bin antriebsloser als sonst und suche gleichzeitig nach einem Sinn. In meinem Leben, meinem Studium, meinen Freundschaften, meiner zukünftigen Arbeit.
Ein paar Tage vorher habe ich Blumen von einer Freundin geschenkt bekommen. Zur Rückkehr von meiner monatelangen Weltreise. Ich zuppelte den Strauß auseinander und stellte sie in eine Vase voller Wasser. So kamen sie auf den Tisch im Wohnzimmer, wo meine Mama sitzt und ihren Kaffee trinkt. Ich setze mich mit meinem Tee zu ihr. Sie begutachtet die Blumen und freut sich über die Farbenfreude. Ihr fällt auf, dass eine Blume traurig den Kopf hängen lässt und sagt, dass sie diese hier abschneiden würde, um sie in eine extra Schale voller Wasser zu geben, sodass sie nicht so den Kopf hängen lassen müsste.
Ich will nicht, dass sie abgeschnitten wird. Schließlich gehört sie zu den anderen Blumen in den Strauß. Daher verflechte ich die traurige Blume mit ihren fröhlichen Artgenossen. Genau so, dass sie wie die anderen in die Höhe schaut. Ich habe sie gerettet. Was ironisch ist, da abgeschnittene Blumen nicht mehr zu retten sind.
Ich denke daran, dass ich wohl diese eine Blume noch mehr als alle anderen in diesem Strauß zu ihrem Glück zwinge. Dürfen Blumen denn nicht auch traurig sein? Dürfen Blumen denn nicht auch mal den Kopf hängen lassen? Warum denken wir, dass eine Blume nur etwas wert ist, wenn sie fröhlich und kräftig blüht und der Sonne entgegen lacht. Auch Blumen sollten schlechte Tage haben dürfen.

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