Über White Privilege zu sprechen heißt Dinge und Gegebenheiten sichtbar zu machen, die die einen haben, die die andere nicht haben. First world problems zu hinterfragen und sich auch mal Grundsatzfragen zu stellen, die andere öfter als ihnen lieb ist als tatsächliches, alltägliches Problem erleben. Sie zu reflektieren und sich dem bewusst zu werden, wo du dich in dieser Dynamik befindest.
Würdest du sagen, dass du intuitiv weißt, was Menschsein bedeutet? Ich behaupte, dass ich es tue. Ich denke, jede:r will einfach nur „gut“ behandelt werden. Und du und ich sind eben einfach nur Menschen. Kulturelle Sensibilität beginnt dort, wo wir anerkennen, dass unsere Perspektive nicht die einzige ist. Dass es andere Sicht- und Lebensweisen gibt und uns fragen, wie wir hier genau in den Austausch geraten können. Und genau hier habe ich sie. Ich habe Angst, etwas falsch zu machen. Jemanden falsch zu behandeln. Ausversehen, unbewusst und ohne, dass ich es wollte. Gleichzeitig habe ich irgendwie das Gefühl, dass es nicht darum geht, keine Fehler zu machen, sondern sich Fehler zu erlauben.
Entscheidend ist Verantwortung für sie zu übernehmen und hinzuschauen. Wenn Menschen mich auf verletzende Worte oder Handlungen hinweisen, ist das kein Angriff, sondern eine Einladung zum Lernen. Uns vielleicht auch selbst zu fragen: „Hey, wie würde ich mich damit eigentlich fühlen? Wäre das wirklich auch in Ordnung für mich?“ Feedback anzunehmen bedeutet, die Gefühle anderer ernst zu nehmen, auch wenn die eigene Absicht eine andere war. Denn die Wirkung ist immer wichtiger als die bloße Absicht. In diesem Spannungsfeld lernen wir, zuzuhören statt uns zu verteidigen, und die Perspektiven anderer (und vor allem ihre Gefühle) nicht zu relativieren.
Dazu gehört es natürlich ebenso, die eigenen Gefühle zu validieren. Meine Scham, Unsicherheit oder Überforderung dürfen da sein, ohne meinen Lernprozess zu blockieren. Gleichzeitig verdienen auch die Gefühle derjenigen Anerkennung, die Diskriminierung erleben. Wenn wir beides zulassen, entsteht Raum für ein Miteinander, das nicht auf einem unbewussten bloßen Tun oder Nicht-tun basiert, sondern auf einem Sich-zeigen, Lernbereitschaft und gegenseitiger Menschlichkeit.
Ehrlich gesagt hält mich meine Unsicherheit oft zurück etwas zu sagen, weil es sich oft so anfühlt, als wüsste, egal was ich sage, irgendjemand es besser. Auch dieser Text ist safe nicht 100 Prozent einwandfrei ausformuliert. Ich bin nicht die politschste Person. Kenn mich mit irgendwelchen Zusammenhängen nicht so krass aus und bin nicht so into it, was gerade aktuell ist. Ich schäme mich dafür, weil ich das Gefühl habe, als wäre es mir egal. Mir, als junger Mensch, der die Zukunft von morgen formt.
Weißt du was? Erstens beschäftige ich mich damit nicht, weil es mir wirklich egal ist und ich zweitens brennendere Dinge um die Ohren habe, wie zum Beispiel, auf mein Leben klarzukommen. Nicht aus Ignoranz, sondern um mich um meine mental Gesundheit zu kümmern. Drittens, bin ich dankbar, dass andere Bescheid wissen und sich darum kümmern. Viertens ist es mir, wenn ich die Hand aufs Herz lege, doch gar nicht so egal, was da draußen passiert, wie ich in meiner Überforderung vielleicht behaupte. Denn schließlich bin ich trotzdem irgendwie irgendwo immer Teil davon und der Welt, in der ich lebe. Ob ich will oder nicht.
Erst jetzt habe ich die Kraft und den Mut, ganz leise und sacht, aufzuhören zu schweigen und mich zu verstecken. Ich möchte den Mut haben, Fehler zu machen. Weil ich Widerstand, Gegenwind und deine Gedanken brauche, um meine Perspektive zu erweitern. Um zuzuhören, zu lernen und sensibler zu werden. Aber nicht nur für mich selbst, sondern vielleicht auch für andere, denen es ähnlich wie mir geht.
Danke fürs bis hierher Durchlesen, du kleiner großer Riesenspatz.

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